«Ohne guten Sound bist du aufgeschmissen»

Der unverwechselbare Tenorsaxofonist Dewey Redman stirbt Anfang September 2006 im Alter von 75 Jahren

Tom Gsteiger

Das Credo von Dewey Redman lautete: «Für mich ist jeder Tag, an dem ich aufstehen kann, ein guter Tag. Ich glaube an die Musik, sie ist die einzige ehrliche, reine Sache. Alles andere ist korrumpiert. I‘m just a country boy from Texas, tryin‘ to make it in the big city.» Nun ist der Tenorsaxofonist, den man sofort an seinem biegsamen, vokalen und bluesigen Sound erkannte, im Alter von 75 Jahren in New York an den Folgen eines Leberversagens gestorben.

Wegen der engen Zusammenarbeit mit dem legendären Harmolodics-Visionär Ornette Coleman, mit dem er bereits während der Schulzeit in Fort Worth befreundet war, wird Redman häufig als Free Jazzer apostrophiert. Richtig ist: Redman nahm sich stets die Freiheit, ein Stück so zu spielen, wie ihm dies richtig erschien - Regeln und vorgestanzte Ideen interessierten ihn nicht. Darum gilt es dem Redman-Bewunderer Joe Lovano beizupflichten: «Bei ihm weiss man nie, was er als nächstes spielen wird.» In Redmans Spiel gibt es sowohl eine ungebärdige, unorthodoxe als auch eine geradezu sanftmütige Seite - Balladen interpretierte er zum Beispiel mit einer entschlackten Poesie, wie man sie nach Lester Young äusserst selten zu hören bekam.

Lange Noten

Hierzulande war Redman in den 90er-Jahren häufig mit der Band des Gitarristen Harald Haerter unterwegs. In einem längeren Gespräch mit dem Verfasser dieser Zeilen hielt er fest: «Das Wichtigste in der Musik ist der Sound, ohne guten Sound bist du aufgeschmissen. Ich spiele gerne lange Noten, da kann man wirklich zeigen, was für Qualitäten man hat. In die Entwicklung meines Sounds habe ich sehr viel Arbeit gesteckt.» Und er verriet, wie er zur Musik kam: «In unserer Familie spielte Musik keine Rolle, aber in mir drin schon. Ich wollte Trompete spielen, weil ich mir dachte, das ist nicht so schwer, die hat ja bloss drei Knöpfe zum Drücken. Doch der Musiklehrer riet mir davon ab, weil ich zu grosse Lippen hätte. Dabei brauchte er einfach einen Klarinettisten fürs Schulorchester.»

Epochale Aufnahmen

Redmans Sound und sein unklischierter motivisch-melodischer Einfallsreichtum sind auf zahlreichen epochalen Aufnahmen zu hören. An erster Stelle zu nennen ist die lange Reihe von Alben, die der undogmatische Hipster mit dem American Quartet des Pianisten Keith Jarrett für die Labels Atlantic, Impulse und ECM aufnahm - komplettiert wurde diese Band, von Joe Lovano als «the next step after the Coltrane Quartet» bezeichnet, durch Charlie Haden und Paul Motian. Mit Haden, Don Cherry und Ed Blackwell bildete Redman das Quartett Old & New Dreams, das er als «Ornette-Band ohne Ornette» bezeichnete (CDs auf Black Saint und ECM). 1980 gaben Redman und der Drummer Blackwell ein denkwürdiges Duo-Konzert am Jazzfestival Willisau (verewigt auf Black Saint).

Später folgt ein längerer Text über Dewey Redman (muss noch abgetippt werden).