Rückkehr eines verschollen Geglaubten

Im Jahr 2005 hat sich der südafrikanische Schlagzeuger Makaya Ntshoko endlich auf der Jazzszene zurückgemeldet.

Tom Gsteiger

Der Schlagzeuger Makaya Ntshoko zählt zum Heer der südafrikanischen Jazzmusiker, die ihrer Heimat vor über drei Jahrzehnten den Rücken kehrten, um ihre künstlerischen Visionen abseits der Apartheid verfolgen zu können. Ntshoko spielte auch eine Zeitlang mit dem berühmtesten dieser unfreiwilligen Exilanten, dem Pianisten Abdullah Ibrahim, der damals noch unter dem Namen Dollar Brand bekannt war. Im Gegensatz zu Ibrahim, der mit einer Mischung aus melodiöser Einfachheit und hymnischer Inbrunst zu einem auch ausserhalb des engen Jazzzirkels beachteten Star avancierte, verschwand Ntshoko irgendwann spurlos von der Bildfläche. Nur wenigen Insidern war bekannt, dass er zurückgezogen in Basel lebt. Sehr selten genug gelang es, ihn zu einer kurzen Rückkehr ins Rampenlicht zu überreden.

Dass Ntshoko jemals wieder eine eigene Gruppe ins Leben rufen würde, wagte ernsthaft kaum jemand zu glauben. Doch 2005 war es soweit: In Anlehnung an den Namen einer Gruppe, die er in den 70er-Jahren leitete, schritt der Schlagzeuger in seiner Wahlheimat Basel zur Feuertaufe der New Tsotsis. Mit dem «Heldentenor» Andy Scherrer ist ein Musiker mit von der Partie, der bereits in einer früheren Ausgabe der Tsotsis (so nennt man in Südafrika Gangster) mitwirkte, dazu kommen die überaus eigensinnige Pianistin Vera Kappeler, die sich nach einer klassischen Ausbildung neben dem Dasein als versponnene Jazzimprovisatorin auch um eine archaische Erneurung der Volksmusik bemüht, und der enorm sichere Kontrabassist Stephan Kurmann. Es ist anzunehmen, dass Ntshoko mit seinem neuen Quartett an das Konzept der Original-Tsotsis anknüpfen wird, dass in einer Verbindung aus Modern Jazz und südafrikanischen Elementen bestand.

Im Januar 2005 trat Ntshoko mit dem Altsaxofonisten Omri Ziegele und der Pianistin Irène Schweizer am BeJazzWinterFestival in Bern auf (1975 nahm Ntshoko an der Seite Schweizers am Jazzfestival Willisau an der Einspielung der inzwischen legendären LP «Willie the Pig» teil). Dabei überzeugte er nicht mit technischen Kabinettstückchen, sondern mit eindringlicher Schnörkellosigkeit und einem hohen Mass an Dringlichkeit: Die mangelnde Spielpraxis war zwar nicht zu überhören, aber sie wurde durch sehr viel «spirit» wettgemacht. Ntshoko hat die Präsenz eines bescheidenen Menschen, der der Musik immer noch mit Demut und Neugierde begegnet. Es verwundert einen nicht, dass er im Laufe seines nicht einfachen Lebens immer wieder mit Musikern zusammenarbeite, die auf der Suche nach der Essenz der Dinge waren, zum Beispiel dem Pianisten Mal Waldron oder den Saxofonisten Steve Lacy , Heinz Sauer und John Tchicai.