Scharfzüngig
Mit Jackie McLean verliert der Jazz einen seiner passioniertesten und eigenwilligsten Saxofon-Stilisten.
Der Altsaxofonist Jackie McLean zählt zu denjenigen Jazzmusikern, die man bereits nach einigen wenigen Tönen zu identifizieren vermag: Mit einem scharfen, zuweilen schreienden Sound segelt er immer haarscharf an der richtigen Intonation vorbei und gibt so all seinen Improvisationen das Aroma des archaischen Blues.
Bereits als Jugendlicher wurde McLean, der am 17. Mai 1932 in New York auf die Welt kam, von Modernisten wie Bud Powell und Thelonious Monk gefördert; McLeans Idol war der geniale Altsaxofonist Charlie Parker. Später spielte McLean mit Miles Davis und Charles Mingus, an dessen Seite er 1956 das bahnbrechende Album «Pithecantropus Erectus» aufnahm.
Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre spielte McLean im erfolgreichen Theaterstück «The Connection» sozusagen sich selbst: ein zwischen Lebenshungrigkeit und Desperado-Attacken hin und her gerissener Jazzmusiker, der vergeblich versucht, vom Heroin loszukommen (nachdem ihm später der Entzug gelungen war, engagierte sich McLean in der Drogenhilfe).
Unter eigenem Namen machte McLean für das Label Blue Note eine Reihe interessanter Aufnahmen, die zwar im Hardbop verwurzelt sind, aber auch Einflüsse der Avantgarde reflektieren; als besonders gewagtes Experiment darf das Album «New and Old Gospel» gelten, auf dem der Trompetenpart von Ornette Coleman übernommen wird. McLean profilierte sich nicht zuletzt als Mentor aufstrebender Talente – an erster Stelle ist hier sicherlich der ungestüme Schlagzeuger Tony Williams zu nennen. In späteren Jahren gründete McLean ein eigenes Jazzinstitut, das der Universität in Hartford, Connecticut, wo er am 31. März 2006 im Alter von 73 starb, angegliedert war.
McLean wird uns als einer der passioniertesten und eigenwilligsten Saxofon-Stilisten des Jazz in Erinnerung bleiben und als ein unprätentiöser Künstler, der bewies, dass man sich der Tradition verbunden fühlen kann, ohne auf Innovationsgeist zu verzichten.
