The Eminent Jay Jay Johnson
J. J. Johnson hat sich Anfang Februar 2002 im Alter von 77 Jahren das Leben genommen. Mit ihm verliert der Jazz einen herausragenden Posaunisten und einen raffinierten Komponisten und Arrangeur.
Im Dezember 1947 erweiterte J. J. Johnson das Quintett von Charlie Parker bei dessen letzter Aufnahmesitzung für das Label Dial. Damit war der am 22. Januar 1924 in Indianapolis geborene Johnson im Zentrum des Bebop angelangt.
Auf mustergültige Weise gelang es Johnson, das rhythmisch rasante, melodisch und harmonisch komplexe Vokabular des Modern Jazz auf die Zugposaune zu übertragen. Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit überwand er die Schwerkraft dieses widerspenstigen Instruments und verband Präzision mit Leidenschaft. Darüber hinaus zeichnete sich Johnsons Spiel durch eine ausgewogene Klangkultur und konzeptionelle Klarheit aus. Johnson setzte einen Schlussstrich unter die Ära des «sliding and slurring» und leitete ein neues Zeitalter der Jazzposaune ein, wobei kaum ein anderer der nachhaltig von ihm beeinflussten Posaunisten - von Curtis Fuller bis Steve Turre - an seine Eleganz heranreichen sollte. (Trotz der Dominanz des «Johnson-Stils» sollte nicht vergessen werden, dass es auch Alternativen zu diesem gab, es sei hier nur an Jimmy Knepper und Albert Mangelsdorff erinnert.)
Aufnahmen mit Miles Davis
Ende der Vierziger-, Anfang der Fünfzigerjahre gehörte Johnson zu einer Reihe von Musikern, deren Bemühungen darauf abzielten, dem modernen Jazz neue Ausdrucksmöglichkeiten zu erschliessen. An der Seite von Miles Davis erlebte er «The Birth of the Cool» mit. Nur einige Jahre später, 1954, nahm er mit einem von Davis geleiteten Sextett die zwei Bluesnummern «Walkin'» und «Blue'n'Boogie» auf, mit denen sich die zupackende Entschlossenheit des Hardbop ankündigte. Dazwischen hatte sich Johnson mit seinen Beiträgen zu Davis' zweiter Aufnahmesitzung für Blue Note und eigenen Alben auch als Komponist und Arrangeur endgültig etabliert. Nun war er «The Eminent Jay Jay Johnson»: Unter diesem Titel erschienen zwei Alben auf Blue Note, auf denen u. a. der Trompeter Clifford Brown und der Pianist John Lewis zu hören sind.
Meister der «Small Groups»
In den folgenden Jahren verfeinerte und vertiefte Johnson seine kompositorischen Fähigkeiten, wobei er einige Ausflüge in den Bereich des «Third Stream» unternahm. Am Ende dieser Entwicklung stand 1970 sein Sprung nach Hollywood, nach dem er nur noch sporadisch auf der Jazzszene auftauchen sollte. Doch zuvor schuf er eine Reihe von Werken, die zum Vollendetsten gehören, was der Modern Mainstream im «Small Group»-Format hervorgebracht hat. An erster Stelle sind seine Alben für Columbia (1956-1961) zu nennen, auf denen er u. a. Newcomer wie Elvin Jones, Freddie Hubbard und Cedar Walton präsentierte, aber auch das Quintett, das er zusammen mit dem Posaunisten Kai Winding leitete, sollten wir nicht vergessen.
08.02.2001
